Interview mit dem Markt

Viele fragen sich, wie der Markt wohl Krisenlösungen interpretiert: Wie reagiert der Markt? Stößt er etwa Anleihen ab? Flüchtet der Markt in Gold?
Die Dingschaft, das einzige Magazin mit verpflichtender Wahrheitsquote, bringt ihnen aus erster Hand ein…..

Interview mit dem Markt!

CrippLeD SaM: Grüß Gott.
Markt: Ich grüße Gott nicht. Ich richte mich nach Angebot und Nachfrage. Das ist kein Problem der Ethik, und schon gar nicht eines der Religionen. Ich stehe über den Religionen.
CS: Na toll. Erste Frage: Wie lange gibt es sie schon?
M: Mich hat es immer gegeben. Immer. Ich bin der Ursprung allen Lebens.
CS: Ist der Ursprung des Marktes nicht der Mensch und seine Produktivität?
M: Wissen sie, sie sind ja eine wirtschaftlich ungebildete Einzelperson, die mich niemlas beurteilen kann.
CS: Bei ihnen richtet sich immer alles nach Angebot und Nachfrage?
M: Jawohl. Ist die Nachfrage hoch, wird es teurer. Ist das Angebot niedrig, wird es teurer. Ist das Angebot zu hoch, dann sage ich einfach, es ist zuwenig da, und es wird teurer. Ist die Nachfrage gering, dann mache ich Werbung und es wird teurer.
CS: Das hört sich ja nach Beschiß an!
M: So nennt man das nicht. Das heißt: ‚Marktwirtschaftliche Chancen‘.
CS: Nächste Frage: Haben sie sich je verändert?
M: Täglich, täglich. Ich bin das Kollektiv der Immer-Anderen.
CS: Ich meine: Geschichtlich gesehen.
M: Ja, natürlich habe ich mich verändert. Früher gab es kein Geld in mir. Da wurde in mir getauscht. (zittert)
CS: Denken sie nicht gerne an diese Zeit zurück?
M: Nein. Damals gab es zuwenig ‚Marktwirtschaftliche Chancen‘. Die kamen erst mit der Einführung des Geldes.
CS: War das die beste Erfindung, die in ihnen stattgefunden hat?
M: Na ja….nein. Es war schon eine gute Erfindung, aber sie hatte noch unangenehme Nebenwirkungen: Die Gerechtigkeit konnte zwar partiell, aber noch nicht ganz abgeschafft werden. Das war dann eine andere Erfindung.
CS: Welche?
M: Die der Derivate: Credit Default Swaps, Anteilsanleihen und deren Anteilsanleihensbezugsberechtigungswertschöpfungen, usw. usf.
CS: Jetzt etwas aktuelles: Es heißt, sie flüchten sich in Gold!
M: Na Logo. Dazu musste erste einmal vor einem halben Jahr der Goldpreis hinunterpurzeln….weil das tut er jedes Jahr im Sommer. Wenn man dann noch Panik in mir verbreitet, dann kann man sich da ein hübsches Sümmchen verdienen, ohne zu arbeiten.
CS: Wie sieht’s bei den anderen Rohstoffen aus? Zum Beispiel Öl?
M: Der Ölpreis wird steigen. Warum? Weil – erstens – das Öl nur begrenzt vorhanden ist, und – zweitens – jetzt ja eh alles ins Meer ausläuft, da bleibt dann weniger für uns! Also: tanken sie noch heute, morgen schon wird’s teurer, dank der Bohrturm-Kathastrophe!
CS: Sie wollen doch nicht die Bohrturm-Kathastrophe zu ihrem Gunsten deuten?!?
M: Hören sie, ich bin doch nur der Markt. Ich bin doch nur wie ein Fischschwarm: Alle müssen in eine Richtung. Wer die Richtung in mir vorgibt, das weiß ich nicht.
CS: Meinen sie vielleicht ‚Heuschrecken‘ statt ‚Fische‘?
M: Nein, das kann ich nicht sagen. Ich fühle mich eher wie ein Schwarm Thunfische: Sie sind vom Aussterben bedroht, und werden trotzdem alle bis zum letzten Fisch gefangen. Weil sie sich so gut verkaufen.
CS: Das heißt, sie sind das Opfer?
M: Ja, immer. Ich kann nie was dafür.
CS: Abschließend möchte ich sie etwas ethisches fragen….
M: Niemals! Nein! Ich habe mit Ethik nichts zu tun!! Ich befinde mich über der Ethik!!!
CS: Aber es gibt ethische Gründe, sie zu regulieren!
M: Gegen meine Regulierung werde ich kämpfen.
CS: Finanztransaktionssteuer.
M: Pfui. Niemals!
CS: Verbot der Credit-Default-Swaps.
M: Dann muß ich halt woanders hingehen!! Dann bekommt’s ihr das große Geld halt nicht!!! Dann muß ich halt andere Idioten bescheißen!
CS: Danke für ihre Offenherzigkeit.

Wenn auch du, lieber Leserin, Fragen an den Markt habt, dann könnt ihr sie hier kommentieren! Denn das ist das Los der Gerechten und eignet sich vorzüglich für die Erben der Dingschaft! Bildet Banken! Das ist ein Befehl!

10 Antworten to “Interview mit dem Markt”

  1. Sehr geehrter Herr Markt,

    ich habe eine Frage:

    Wann lassen Sie sich zum Kurienkardinal befördern?

    Wäre eine solcherart gesteigerte Autorität nicht auch was Schönes?

    Man könnte zb. Kindesmißbrauch als Derivat anbieten!

    mfg Kardinal Novize Igor

  2. Herr Markt Says:

    Lieber Herr Kardinal Novize Igor,

    Da sieht man wieder einmal, daß sie marktwirtschaftlich ein ‚unbeschriebenes Blatt‘ sind.

    Denn das mache ich schon seit den 60’er Jahren! Fragen sie die Kurienkardinäle und die Vatikanbank!

    Die Idee mit den Derivaten ist nicht schlecht – aber erhlich gesagt bereite ich mich bereits seit langem auf eine feindliche Übernahme des Vatikans vor: Durch Credit-Default-Swaps auf Kindesmißbrauch! Danach fällt der Kurs des Vatikans, und ich kann mir den Petersdom zum SPOTTPREIS kaufen!

    Trotzdem schöne Grüße,

    Herr Markt.

  3. Lieber Herr Markt,

    ich bin Gräfin mit einem großen Landsitz in Liechtenstein und einigen unbedeutenden Villen und Grundstücken in ganz Europa.
    Mein Gemahl und ich investieren in Aktien und Derivate von Blutdiamanten sowie in von armen Bauern nicht wiederzuverwendende Hybridsaat, die jede Saison neu gekauft werden muss.

    Meine Fragen:
    Meinen Sie ich sollte mir Sorgen machen aufgrund der aktuellen Euro-Krise?
    Wie kann mit Ihrer Hilfe noch mehr aus der Welt herausquetschen?

    Mit freundlich Grüßen und hoch lebe der.. äh..
    leben Sie!

    Madame Bonne Fée

  4. PS:

    Halten Sie es für eine gute Taktik meinen Haussklav.. äh.. Bediensteten weniger zu bezahlen bzw. mehr für Kost und Logie zu verlangen oder wären die Einnahmen die dadurch entstehen Ihrer Meinung nach zu vernachlässigen?

    Danke!

  5. Herr Markt Says:

    Liebe Bonne Fée,

    In mir sind sie eh schon gut. Sorgen brauchen sie sich um die Krise nicht machen – immerhin haben wir sie in mir gemacht, und jetzt quetschen wir noch das letzte Schnäppchen aus!

    Zu ihrer Anfrage: Ich persönlich empfehle Immobilien, Gold, Juwelen und Wertgegenstände wie z.B. Yachten und Grundstücke! Das sind die Alternativen zu Geld.

    Zuerst schreist sie laut: Krise! Die Welt geht unter! – Danach verkaufen die Leute panikartig alles, und sie haben SCHNÄPPCHEN ohne Ende!

    Ich hoffe in meinem Sinne gedient zu haben,

    Herr Markt

  6. Ach was braucht man schon? Was zu essen, ein warmes Plätzchen. Und das letzte Hemd hat keine Taschen.

  7. Herr Markt Says:

    Lieber Herr Sayadin,

    Was sie sagen, stimmt schon – aber nicht in mir.

    Wenn sie in mir sind, brauchen sie mehr und mehr und MEHR und mehr und noch MEHR!!!!

    Und den Reichtum kann man sich dann mit in den Himmel nehmen und eintauschen. Gegen gute Wolken, Flügeln oder so.

    Ansonsten enden sie SO:

    und sie wollen ja SO nicht enden….

    Ich hoffe, ihnen gedient zu haben,

    Herr Markt.

  8. Lieber Herr Markt,
    natürlich lebe ich auch in Ihnen, man kann sich Ihnen ja nicht wirklich entziehen. Obwohl Marx es versucht hat.
    Ihr Teilnehmer Sony erlaubt nicht, das ich die Informationen des Videos erhalte. Umsost ist wohl nur der Tot. Obwohl der das Leben kostet.

  9. Sony?? Hä???

    Das Video funktioniert bei mir gut….Kein Sony sagt nix.

    ???MFGCS

  10. Ich halte es für möglich das Sony Östereich übersehen hat, ist ja auch ein eher kleines Land.

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